Deutlich mehr Öl als befürchtet in den Nord-Ostsee-Kanal geflossen | NDR.de – Nachrichten

Stand: 30.12.2022 16:12

Am Nord-Ostsee-Kanal funktionierte nach einer Ölkatastrophe über eine Woche lang nichts. Tobias Goldschmidt, Umweltminister (Groenen), hält an der Blockade bis mindestens 3. Januar fest. Das Öl auf dem NOK kann nicht vollständig entfernt werden.

Es handelt sich um einer der größten Ölunfälle in der Geschichte Schleswig-Holsteins – so hat es Umweltminister Goldschmidt am Freitag auf einer Pressekonferenz deutlich gemacht. Das machen die Rettungskräfte seit Tagen An den Brunsbütteler Schleusen trat Rohöl aus dem Nord-Ostsee-Kanal aus. Jetzt ist klar: Es ist deutlich mehr Öl ausgetreten als bisher bekannt. Das Umweltministerium spricht von 294.000 Litern, die bereits aus dem Wasser und an Land aufgenommen wurden. Die gewonnene Rohölmenge entspricht etwa 1.800 vollen Badewannen.

Noch immer gibt es Ölverschmutzungen – vor allem an den Schleusen in Brunsbüttel und am Ufer. Es könnten also noch mehr werden. Klar sei, dass nicht das gesamte Öl entfernt werden könne, erklärte Birgit Matelski, Leiterin des Landesamtes für Küstenschutz, Nationalpark- und Meeresschutz (LKN) in Schleswig-Holstein. Goldschmidt betonte, Rohöl sei hochgiftig und enthalte Schwermetalle. Dank des schnellen Eingreifens konnte eine Ölpest verhindert werden.

Goldschmidt: Eine Wiedereröffnung wäre gerade jetzt unverantwortlich

Tobias Goldschmidt in seinem Statement am Kanal.  © picture alliance/dpa |  Jonas Walzberg Foto: picture alliance/dpa |  Jonas Walzberg

Umweltminister Tobias Goldschmidt will die Auswirkungen auf Umwelt und Schifffahrt so gering wie möglich halten.

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Trotz der bisher erfolgreichen Arbeit sei die Situation nach Angaben des Ministeriums noch nicht vorbei, warnt der Umweltminister. Noch ist in Brunsbüttel zu viel Öl im Wasser und in den technischen Anlagen. Rund 60 Menschen arbeiten derzeit daran, Schilf, Staumauern, Schiffe und Schleusen vom Öl zu befreien. Mit dabei: die Ölsanierungsanlage „Lüttmoor“ mit „Odin“ – zwei gemeinsame Geräte des Bundes und der Küstenländer zur Bekämpfung der Meeresverschmutzung.

Der Kanal kann laut Goldschmidt erst wieder geöffnet werden, wenn keine Ölrückstände mehr im Uferbereich oder in den Schleusenkammern vorhanden sind. Denn selbst wenn Schiffe langsam durch den Kanal fahren, gibt es Wellen. Dadurch können beispielsweise am Ufer abgelagerte Ölrückstände wieder ins offene Wasser gespült werden und möglicherweise sogar in die Nordsee oder die Elbe gelangen. Dies muss laut Goldschmidt unbedingt verhindert werden. Ob der Kanal am 3. Januar wieder für die Schifffahrt freigegeben wird, muss am Montag (2. Januar) entschieden werden.

Eine Belastung für die Umwelt

Das Land hat am Mittwoch die Betriebsführung für den Nord-Ostsee-Kanal vom Havariekommando übernommen. Der Kanal wurde am 21. Dezember gesperrt, nachdem durch ein Leck in einer Pipeline im Hafen von Brunsbüttel große Mengen Öl ausgelaufen waren – eine Gefahr für die Umwelt. Als die Ölpest gerade passiert war und das Öl noch auf der Wasseroberfläche schwamm, wurden einige Wasservögel mit eingeölten Federn gesehen. Allerdings beschränkte man sich auf eine zweistellige Zahl an Tieren. Laut Golschmidt hat die Polizei eine Sabotage an der Pipeline inzwischen ausgeschlossen.

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Was passiert mit dem Öl?

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Jens Rauterberg vom Unfallkommando steht am Ufer des Nord-Ostsee-Kanals in Brunsbüttel und schaut in die Kamera.  ©NDR

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Nachdem das Öl fast vollständig aus dem Wasser entfernt ist, muss die Raffinerie das Ufer des Nord-Ostsee-Kanals, die Schleusenanlagen und die Schiffe reinigen. 1 Minute

Um die Liegeplätze zu reinigen, werden nach und nach noch liegende Schiffe entfernt. Mittlerweile haben externe Fachfirmen die Reinigung der Uferbereiche sowie der Hafen- und Schleusenanlagen übernommen. Die Reinigung der Uferbefestigungen, Stabilisatoren und Dalben gestaltet sich laut LKN aufwändiger als erwartet. Gleichzeitig wird das geförderte Öl-Wasser-Gemisch in Saugwagen abgesaugt und zur Raffinerie nach Heide gebracht. Dort wird das Gemisch zunächst getrennt: Schlechte Mengen werden entsorgt – gutes Öl wird in den Raffinerieprozess gebracht und verarbeitet.

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Die Raffinerie Heide betreibt auch die undichte Rohölleitung, ist aber nicht Eigentümerin. Das teilte das Unternehmen auf Anfrage des NDR Schleswig-Holstein mit.

FDP: Weitere Schließung droht der Wirtschaft im Norden

Unterdessen werden kritische Stimmen lauter, die eine schnelle Öffnung der Wasserstraße fordern. Die IHK befürchtet, dass Reedereien die Routen für ihre Containerschiffe langfristig ändern und die NOK künftig möglicherweise weniger genutzt wird. Und auch die FDP warnt: Für die Wirtschaft im Norden sei die weitere Blockade ein massives Problem, so Landeschef Oliver Kumbartzky. Doch Goldschmidt betonte am Freitag: „Es ist auch unser Ziel, den Nord-Ostsee-Kanal rechtzeitig freizugeben.“ Eine vorzeitige Öffnung mit anschließender neuer Blockade nütze niemandem, so der Minister weiter.

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Roter Leuchtturm Mol 2 an der Schleuse Brunsbüttel (Kreis Dithmarschen) mit einem Frachtschiff im Hintergrund.  © Fotoallianz / Zoonar |  Connie Pokorny

Kein Schiff kommt mehr durch den Nord-Ostsee-Kanal – mit Folgen für die Wirtschaft. mehr

Das Mehrzweckschiff "Odin" einen Ponton über das Wasser vor der Schleuse Brunsbüttel fahren, um das Öl im Nordostssekanal aufzunehmen.  © picture alliance/dpa |  Jonas Walzberg

Laut Notverfügung sind inzwischen 99 Prozent des Ölvolumens aufgenommen. Trotzdem bleibt der Kanal bis zum 3. Januar gesperrt

Die kaiserliche Yacht "Hohenzollern" im Nord-Ostsee-Kanal am 21. Juni 1895 (Farblithographie).  © picture-alliance / akg-images

Im Juni 1895 wurde der Nord-Ostsee-Kanal eröffnet. Drei Tage lang feiert Kaiser Wilhelm II. die neue Wasserstraße. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Golf Nord | Neues für Schleswig-Holstein | 30.12.2022 | 15:00 Uhr

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