Energiepreise und -verbrauch in Deutschland am Dienstag, 22.11.2022

Vor dem Angriffskrieg gegen die Ukraine lieferte Russland Deutschland die Hälfte der deutschen Gas- und Kohleimporte und ein Drittel seines Erdöls. Gas dient vor allem zum Heizen von Häusern und Wohnungen, aber auch als Rohstoff in der Industrie. Gas ist auch für die Stromerzeugung unverzichtbar, um die Schwankungen der erneuerbaren Energien auszugleichen.

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Teure Ersatzlieferungen

Der Anteil der Importe aus Russland ist in den letzten Monaten drastisch gesunken. Sie werden durch Gasimporte aus anderen europäischen Ländern und Lieferungen von verflüssigtem Erdgas (LNG) aus verschiedenen Ländern der Welt ersetzt. Diese Ersatzlieferungen müssen deutsche Verbraucher teuer bezahlen.

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Bereits im Herbst 2021 ist der durchschnittliche Preis pro Kilowattstunde für Neukunden deutlich gestiegen. Weitere Preissprünge folgten dem Angriff Russlands auf die Ukraine im Februar 2022 und aufgrund reduzierter Gaslieferungen ab Juni 2022. Im Herbst sanken die Preise erneut.

Die Gaspreise können je nach Region um wenige Cent variieren.

Daten

Die Daten zu den Gaspreisen stammen vom Vergleichsportal Verivox, das eine Datenbank mit aktuellen Gastarifen verschiedener Anbieter betreibt. Für Gas errechnet das Portal die jährlichen Gesamtkosten für einen Drei- bis Vier-Personen-Haushalt mit einem Verbrauch von 20.000 Kilowattstunden. Für diese Beispielhaushalte ermittelt Verivox nun in jedem PLZ-Gebiet das günstigste Angebot. Daraus errechnet das Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) werktäglich einen Durchschnitt für Deutschland, gewichtet nach der Anzahl der Haushalte im jeweiligen PLZ-Gebiet. Die Bewertung bezieht sich auf Neuverträge – Bestandskunden mit älteren Verträgen zahlen in der Regel weniger. Nicht von Verivox gelistete Gaslieferanten werden nicht berücksichtigt. Für die Deutschlandkarte werden die Postleitzahlengebiete der Landkreise und kreisfreien Städte zusammengefasst.

Der Gasverbrauch ist temperaturabhängig

Im Jahr 2022 verbrauchte Deutschland generell weniger Gas als in den Vorjahren. Da es Anfang 2022 im Vergleich zum Vorjahr deutlich milder war, wurde mit relativ wenig Gas geheizt. Hinzu kamen Einsparungen bei Industrieunternehmen, die auf den Anstieg der Gaspreise reagierten (wählen Sie „Industrieunternehmen“ in der folgenden Grafik). In einzelnen Phasen lag der Gasverbrauch in Deutschland im Jahr 2022 trotz Knappheit jedoch über dem Niveau des Vorjahres.

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Daten

Die Daten zum deutschen Gasverbrauch stammen von Trading Hub Europe (THE), einem Joint Venture der deutschen Ferngasnetzbetreiber. Der Verbrauch von Großkunden wird täglich per Zähler gemessen. THE schätzt den Verbrauch von Privathaushalten und Kleinunternehmen auf Basis von Werten aus den Vorjahren unter Berücksichtigung der aktuellen Witterungsbedingungen, die großen Einfluss auf den Heizwärmebedarf haben. Die Daten ab 1. Oktober 2021 werden täglich über eine Schnittstelle abgefragt, die Daten bis 30. September 2021 stammen aus dem Archiv der THE für die ehemaligen Marktgebiete NetConnect Germany und Gaspool. Wir zeigen den Tagesverbrauch in Deutschland im 7-Tages-Durchschnitt. Die Daten werden immer werktags aktualisiert. Die Daten zur durchschnittlichen Lufttemperatur in Deutschland stammen vom Deutschen Wetterdienst. Aus den Werten der einzelnen Sender errechnet das RND täglich den bundesweiten Durchschnitt.

Russland liefert nicht mehr

Das Hauptaugenmerk liegt dabei auf dem Gasfluss durch die Pipeline Nord Stream 1, die von Russland über die Ostsee nach Greifswald führt. Der Betreiber Gazprom drosselte die Lieferungen wegen angeblicher technischer Probleme Mitte Juni 2022 zunächst auf 40 Prozent der normalen Kapazität. Nach der jährlichen Wartung im Juli hat Gazprom die Pipeline auf nur noch 20 Prozent aufgestockt. Anfang September stoppte Russland die Lieferungen erneut wegen angeblicher Wartungsarbeiten und hat sie seitdem nicht wieder aufgenommen.

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Ende September wurden schließlich Lecks in der Pipeline entdeckt. Auf die Gasversorgung haben sie zumindest keine Auswirkungen, denn Russland hat den Gasfluss bereits im Vorfeld gestoppt.

Daten

Eine EU-Verordnung verpflichtet europäische Netzbetreiber, zu melden, wie viel Gas durch ihre Pipelines fließt. Der Entso-G Verein erhebt und veröffentlicht diese Daten. Das RND fragt es werktäglich über eine Schnittstelle ab.

Ziele erreicht werden

Bereits im Vorfeld des Krieges hatte Russland den Zuzug nach Deutschland eingedämmt. Eine Folge davon war, dass der Erdgasspeicher einer Gazprom-Tochter im niedersächsischen Rehden – der größte Erdgasspeicher Deutschlands – zu Frühlingsbeginn nahezu leer war. Der Speicher steht nun unter der Kontrolle der Bundesnetzagentur und wird schnellstmöglich befüllt. Dies ist derzeit auch ohne Gaslieferungen aus Russland möglich.

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Gasversorger sind gesetzlich verpflichtet, ihre Speicher bis zum 1. November zu mindestens 95 Prozent zu füllen. Als Zwischenziele sieht das Gesetz einen Füllgrad von 75 Prozent bis zum 1. September und 85 Prozent bis zum 1. Oktober vor. Wären alle deutschen Speicher vollständig gefüllt, würde die Gasmenge ausreichen, um Deutschland für zwei bis drei Monate zu versorgen, die im Durchschnitt kalt sind. Um gut durch den Winter zu kommen, braucht Deutschland zusätzliche Lieferungen durch Pipelines und an LNG-Terminals.

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Daten

Die Füllstände der Gasspeicher in Deutschland werden von den Betreibergesellschaften kontinuierlich an die AGSI-Plattform des GIE-Verbandes gemeldet. Diese Daten fordern wir werktäglich über eine Schnittstelle an.

Altes Level nach Tankrabatt

Der Krieg in der Ukraine führte nicht nur zu einer Explosion der Gaspreise in Deutschland, sondern auch zu einem starken Anstieg der Benzin- und Dieselpreise. Um Autofahrer finanziell zu entlasten, hat die Bundesregierung für die Monate Juni, Juli und August 2022 den sogenannten Tankrabatt eingeführt. Die Energiesteuer wurde vorübergehend auf das europäische Minimum gesenkt. Nach dem Auslaufen der temporären Steuersenkung stieg der Kurs erwartungsgemäß wieder an, erreichte aber nicht mehr die Höchststände vom Jahresanfang.

Daten

Die Kraftstoffpreisdaten werden vom Bundeskartellamt an Anbieter von Verbraucherinformationsdiensten weitergegeben. Eines davon ist das Portal tankerkönig.de, über dessen Schnittstelle das RND die Daten bezieht. Die Preise basieren auf Meldungen aller Tankstellen in Deutschland. Daraus errechnen wir den Tagesdurchschnitt der Preise für Diesel, Super E10 und Super E5. Die Daten werden immer werktags aktualisiert.

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Im Sommer wurde viel Gas verbraucht

Aufgrund der unterbrochenen Gasversorgung gilt seit Ende Juni die zweite Eskalationsstufe im Gasnotfallplan. Die Ausrufung der sogenannten Warnstufe erlaubt der Bundesregierung, wieder mehr Kohlekraftwerke einzusetzen, um den Gasverbrauch bei der Stromerzeugung zu senken.

Im Sommer lieferte die Windkraft jedoch so wenig Strom, dass selbst der reichlich produzierte Solarstrom diesen Mangel nicht ausgleichen konnte. Zudem fielen im Sommer mehrere Kernkraftwerke in Frankreich aus, sodass noch einige Gaskraftwerke in Deutschland einspringen mussten.

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Die Energiekrise erfordert Überlegungen, eine vorzeitige Abschaltung der verbleibenden deutschen Kernkraftwerke zu verschieben.

Daten

Die Daten zum Strommarkt fragen wir automatisch werktäglich über eine Schnittstelle der Bundesnetzagentur ab.

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Teuren Strom durch Gaskraftwerke

Nach dem geltenden „Leistungsprinzip“ wird der Strombedarf gedeckt, indem zuerst das Kraftwerk mit den geringsten Kosten zugeschaltet wird. Andere, teurere folgen, und schließlich bestimmt das letzte zur Deckung des Bedarfs benötigte Kraftwerk den Preis. Dies sind derzeit vor allem teure Gaskraftwerke. Dadurch treibt der Gasmangel auch die Strompreise in die Höhe.

Der Strompreis variiert in den Regionen deutlich stärker als der Gaspreis. In einigen Teilen Deutschlands müssen Verbraucher doppelt so viel bezahlen wie in anderen.

Daten

Die Daten zu den Strompreisen stammen vom Vergleichsportal Verivox, das eine Datenbank mit aktuellen Stromtarifen verschiedener Anbieter betreibt. Beim Strom wird der Bedarf eines Drei- bis Vier-Personen-Haushalts errechnet, der durchschnittlich 4.000 Kilowattstunden verbraucht. Für diese Beispielhaushalte ermittelt Verivox nun in jedem PLZ-Gebiet das günstigste Angebot. Daraus errechnet das RND jeden Werktag einen Durchschnitt für Deutschland, gewichtet mit der Anzahl der Haushalte im jeweiligen Postleitzahlengebiet. Für die Deutschlandkarte werden die Postleitzahlengebiete der Landkreise und kreisfreien Städte zusammengefasst. Die Bewertung bezieht sich auf Neuverträge – Bestandskunden mit älteren Verträgen zahlen in der Regel weniger. Nicht bei Verivox gelistete Stromlieferanten werden nicht berücksichtigt. Dazu gehören auch die Grundversorger, die in manchen Regionen Deutschlands die günstigsten Anbieter sind, aber nicht immer für einen Wechsel offen sind.

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Die hohen Energiepreise verteuern derzeit fast alle Produkte des täglichen Bedarfs. Die Inflationsrate in Deutschland ist auf dem höchsten Stand seit 70 Jahren.

Um stets die aktuelle Situation der Energieversorgung in Deutschland widerzuspiegeln, ruft das Redaktionsnetzwerk Deutschland werktäglich die aktuellen Daten ab und veröffentlicht sie auf dieser Seite.

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