Gefrorene Seen: Forscher erwarten Zunahme von instabilem Eis | Wissenschaft

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Gefrorene Seen: Forscher erwarten eine Zunahme von instabilem Eis

27.11.2022, 4:38 Uhr

| Lesezeit: 4 Minuten




Eiskühler hängen an einem Vordach auf dem Herzogstand.

Eiskühler hängen an einem Vordach auf dem Herzogstand.

Foto: Katrin Requadt/dpa

Berlin/Stechlin
Ist Eis gleich Eis? Überhaupt nicht, sagen Wissenschaftler. Und auf Unterschiede hinweisen, die für die Sicherheit von Spaziergängern und Skatern entscheidend sein können.

Im Zuge des Klimawandels erwartet ein internationales Forscherteam zunehmend instabile Eisflächen auf Seen. Es handelt sich um sogenanntes weißes Eis – im Gegensatz zum meist stabileren Glatteis.

„Weißes Eis entsteht zum Beispiel, wenn die Wasseroberfläche wiederholt gefriert, auftaut und wieder gefriert“, sagt Hans-Peter Großart, Leiter der Forschungsgruppe Aquatische mikrobielle Ökologie am Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB). Standort Stechlin in Brandenburg. Er war an der Studie beteiligt, die gefrorene Seen testete. Die Erkenntnisse sollten den Forschern zufolge Anlass geben, die Regeln für das Betreten von Eisflächen zu überdenken.

Eis erkennen

Auch Laien können weißes Eis erkennen, erklärt Grossart: „Durch den Lufteinschluss hat es eine geringere Dichte und eine rauere Oberfläche, was einen beim Skaten bremst.“ Das häufigere Vorkommen dieser Eisart ist darauf zurückzuführen. dass die Temperaturen im Winter tagsüber häufiger über null Grad steigen und Kälteperioden nicht mehr so ​​lange anhalten wie früher. Schon heute ist Glatteis selten. „Das Eis ist schwarz, wenn ein See bei Minusgraden über Nacht zufriert. Es ist klares, wunderschönes Eis, das spiegelglatt ist – ideal zum Schlittschuhlaufen.“


Die von der schwedischen Universität Uppsala geleitete Studie, an der Grossart beteiligt war, wurde im Sommer in der Fachzeitschrift Nature Communications veröffentlicht. Dazu wurden im Winter 2020/21 mehrfach Proben von Eisschichten aus 31 Seen in 10 Ländern der Nordhalbkugel entnommen und analysiert. Für zwei Seen lagen Langzeitdaten bis 1971 bzw. 1996 vor, die zum Vergleich herangezogen wurden.




Die Untersuchungen sollen in einem der wärmsten Winter seit 1880 stattgefunden haben. In den meisten Fällen wurde daher in dieser Zeit instabiles weißes Eis gefunden, das teilweise den gesamten Eisschild ausmachte. Auch der Anteil an weißem Eis nahm im Winter durch Schneefall und ständige Vereisung – meist nachts – zu. Es wurde bereits beobachtet, dass tödliche Einstürze normalerweise am Ende der Saison auftreten, bevor die geschmolzene und nicht haltbare Eisschicht geschmolzen ist.

Nach der Entnahme einer Probe aus dem Daguer See bei Stechlin in Brandenburg war das Forscherteam erstaunt, wie dünn die gefundene Eisschicht nur etwa zehn Zentimeter war – meist weißes Eis. „Damals waren Hunderte von Menschen auf dem See. Es ist also sehr leicht, die Tragfähigkeit zu überschätzen.”

Nach Schätzungen der Forscher kann Glatteis bis zu zehnmal so viel Last tragen wie ein Stück Weisseis gleicher Dicke und Grösse. Bei einem hohen Anteil an weißem Eis besteht daher trotz der täuschend starken Eisdicke eine deutlich höhere Einsturzgefahr.

Winter 2021

Die im Winter 2021 in Schweden beobachteten eisigen Bedingungen zeigen, dass Verhaltensanpassungen an eine wärmere Welt erforderlich sind, schreiben die Forscher. Obwohl es im Februar traditionell sicher war, auf dem Eis des Landes zu gehen, brachen im Monat 2021 zehn Menschen ein und starben – so viele wie noch nie seit Beginn der Beobachtungen im Jahr 2000. In der Regel gehen die Forscher von Ersterem aus. Sie verdoppeln die Referenzwerte für die zur Einreise notwendige Eisdicke.

Die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) schreibt aktuell in ihren Hinweisen zum Betreten von Eisflächen unter anderem: „Betreten Sie einen See nur, wenn das Eis 15 Zentimeter dick ist.“

Zu den Ergebnissen der aktuellen Studie sagte Grossart: „Es ist erschreckend zu sehen, wie sehr sich die Systeme verändern.“ Auch die Eisqualität hat Auswirkungen auf die Ökologie von Seen, da die Lichtdurchlässigkeit unterschiedlich ist. Weißes Eis lässt weniger Licht durch, was zum Beispiel die Photosynthese von Algen verändert und letztlich die gesamte Nahrungskette beeinflusst.

Langzeitaufzeichnungen zeigen bereits einen rapiden Rückgang der Anzahl der Tage, an denen Seen im Winter zugefroren sind, berichten die Forscher auch. Viele Seen werden voraussichtlich in diesem Jahrhundert dauerhaft eisfrei bleiben.




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