Nach tödlichen Schüssen: Erneut Ausschreitungen in Paris

Stand: 24.12.2022 um 18:19 Uhr

Nach tödlichen Schießereien in einem kurdischen Viertel in Paris ist es erneut zu Ausschreitungen gekommen. Am Rande einer friedlichen Demonstration zum Gedenken an die drei Opfer kam es am Freitag zu Zusammenstößen mit der Polizei.

Tausende Menschen sind nach dem tödlichen Angriff auf das kurdische Kulturzentrum in Paris auf die Straße gegangen. Vertreter kurdischer Gruppen, linker Parteien, Anti-Apartheid- und anderer Gruppen versammelten sich auf der Place de la République östlich der französischen Hauptstadt, um der Opfer des Anschlags zu gedenken. Einige Teilnehmer riefen Parolen gegen die türkische Regierung.

Auch am Rande der weitgehend friedlichen Demonstration kam es zu Zusammenstößen mit der Polizei. Demonstranten warfen Gegenstände und stießen mit Sicherheitskräften zusammen, die Tränengas abfeuerten. Mindestens vier Autos kollidierten, von denen mindestens eines Feuer fing. Auch Mülltonnen wurden verbrannt und Bushaltestellen zerstört.

Auch Lesen :  Daniel Pink: Wie nutzt man Reue positiv für sein Leben?

Auch Angehörige der kurdischen Minderheit in Marseille gingen auf die Straße. Auch hier kam es zu Zusammenstößen mit der Polizei.

Kurdische Aktivisten sprechen von einem “Terroranschlag”.

Auch am Freitagabend kam es zu Zusammenstößen zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften. Zuvor hatte ein Mann das Feuer auf ein kurdisches Gemeindezentrum sowie ein Restaurant und einen Friseursalon eröffnet und dabei drei Menschen getötet. Drei weitere Personen wurden bei dem Angriff verletzt. Bei allen Toten handelt es sich nach Angaben des kurdischen Vereins CDK-F um kurdische Aktivisten, darunter eine junge Frau und ein Musiker.

Die CDK-F beschuldigte den türkischen Staat und seinen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan, für das Verbrechen verantwortlich zu sein, und nannte den Angriff einen „Terroranschlag“, der auf mehrere türkische Drohungen folgte. Die Türkei hat sich lange den kurdischen Unabhängigkeitsbestrebungen widersetzt, die unter anderem von der verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) gefördert werden.

Auch Lesen :  Anspielung auf Todesstrafe?: Netanjahus Sohn fordert Prozess wegen Hochverrat

Die Ermittler gehen von einem rassistischen Motiv aus.

Proteste in Paris nach Angriff auf Kurden

Tagesschau 20:00 Uhr, 24.12.2022

Gegen den mutmaßlichen Täter, einen 69-jährigen Franzosen, werde nun wegen eines möglichen rassistischen Motivs ermittelt, teilte die französische Staatsanwaltschaft mit. Laut Ermittlern gab er an, ein Rassist zu sein. Der ehemalige Lokführer wurde von der Polizei noch am Tatort festgenommen und mit leichten Verletzungen ins Krankenhaus gebracht.

Innenminister Gerald Derminen sagte, der Mann habe es eindeutig auf Ausländer abgesehen und handele allein. Ihm sind keine Verbindungen zu Rechtsextremisten oder anderen radikalen Gruppierungen bekannt. Der Sender BFMTV schrieb, der Verdächtige habe gesagt, er wolle gezielt die kurdische Gemeinschaft angreifen.

Am Freitag wurde ein Ermittlungsverfahren wegen vorsätzlicher Tötung und schwerer Körperverletzung eröffnet. Laut Staatsanwaltschaft ist die Höchststrafe für den Angeklagten lebenslange Haft. Der Mann ist wegen illegalen Waffenbesitzes und Gewaltverbrechen vorbestraft und wurde im vergangenen Jahr im Zusammenhang mit Anschlägen auf Flüchtlingslager festgenommen. Erst im Dezember wurde er aus der Haft entlassen.

Auch Lesen :  CDU-Mitglieder im WDR-Rundfunkrat schreiben Brandbrief an Buhrow

Türkische und kurdische Treffpunkte sind sicherer.

Nach diesem Angriff will Frankreich kurdische Versammlungsorte schützen. An Orten, an denen sich die kurdische Gemeinschaft im ganzen Land versammelt, sollen Wachen stationiert werden. Darman will auch sehen, ob es andere Drohungen gegen die Kurden in Frankreich gibt. Der Innenminister kündigte außerdem an, auch die diplomatischen Vertretungen der Türkei im Land zu schützen, um Vergeltungsangriffe zu verhindern.

Der Tag nach der tödlichen Schießerei in Paris

Stephanie Markt, ARD Paris, 24. Dezember 2022 um 17:01 Uhr

Source

Leave a Reply

Your email address will not be published.

In Verbindung stehende Artikel

Back to top button