Rosemarie Nave-Herz’ Buch „Die Ehe in Deutschland“

Wkennt die soziologie eigentlich die ehe in deutschland? Es ist überraschend wenig. Ohne die amtlichen Daten des Statistischen Bundesamtes wären es zum Beispiel noch weniger. Wenn sich die Forschung bisher überhaupt für die Ehe interessiert hat, dann vor allem im Hinblick auf die Familie. Aber aus soziologischer Sicht wurde die Ehe noch nicht als „eigenständige Lebensform“ mit eigenem „Sinn“ beschrieben. Rosemarie Nave-Herz, die diese Bemerkung ihrem neuen Standardwerk zur Eheschließung in Deutschland voranstellt, hält diese Unterscheidung der Ehe in der Familie allenfalls für die Vergangenheit für gerechtfertigt, weil damals Ehe- und Familienzeit nahezu identisch waren. Heute lässt sich hier jedoch ein gravierender Wandel feststellen, den dieses Buch eindrucksvoll beschreibt. Wird diese Änderung zum Ende der Ehe führen? Ist sie ein Auslaufmodell oder bleibt sie eine der „wichtigsten identitätsstiftenden Institutionen“ unserer Gesellschaft?

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Nave-Herz stützt ihre Analyse auf vertiefende Kapitel zur Geschichte des Ehebegriffs und seiner sich wandelnden Bedeutung in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Soziologisch reicher sind jedoch ihre Beschreibungen heutiger Bedeutungszuweisungen zur Ehe und anderer Forschungsfragen: Stehen Ehen und nichteheliche Beziehungen in Konkurrenz zueinander? Nehmen ältere oder außereheliche Formen der Ehewahl wie arrangierte Ehen oder Zwangsehen in der deutschen Gesellschaft durch Migration wirklich zu? Hat die Zunahme der Kinderlosigkeit in Deutschland Auswirkungen auf die Bedeutung der Ehe? Ist häusliche Gewalt ein neues Problem? Wie verändert sich die Ehe durch die zunehmende Erwerbstätigkeit von Frauen? Welche Formen der häuslichen Arbeitsteilung sind entstanden? Wer trennt sich heute und warum? Und schließlich, was ist mit Sex in der Ehe?

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Keine Anhaltspunkte für einen Bedeutungsverlust der Ehe

So vielfältig diese Forschungsthemen auch sind, ihnen gemeinsam ist ein hohes öffentliches Interesse und entsprechend viele Meinungsäußerungen bei wenig belastbarem soziologischem Wissen. Das gesellschaftliche Bild der Ehe, so Nave-Herz, sei pessimistisch, was die soziologische Forschung vor die Herausforderung stelle, diesen Pessimismus zu bestätigen oder im Gegenteil die Zukunftsfähigkeit der Ehe zu beweisen. Natürlich muss jede Zukunftsstudie die Entwicklung der Scheidungszahlen in Deutschland berücksichtigen. Eine soziologische Studie, die aus der Zunahme der Ehen kurzerhand schlussfolgerte, dass die Ehe keine Zukunft habe, könne getrost ignoriert werden.

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Dagegen spricht, dass die Heiratsneigung überhaupt nicht abgenommen hat, sondern seit 2013 sogar wieder zugenommen hat. Generell ist die steigende Zahl an Scheidungen kein Beweis dafür, dass die Ehe wichtig ist. Man kann sogar umgekehrt argumentieren, dass gerade die besondere Bedeutung der Ehe für viele ein Grund ist, die eigenen Unzulänglichkeiten nicht in Kauf zu nehmen, sondern in der Trennung die Chance für eine neue und dann erfüllendere Beziehung zu suchen. Kurz gesagt, man sollte mehr über die wahren Gründe für die Eheschließung wissen als über die Gründe für die Scheidung. Leider gibt es dazu keine Daten. Was ist also selbstverständlich?

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