Vince McMahon putscht sich zurück an die Spitze

Düsseldorf Manche Geschichten sind zu schön, um wahr zu sein. Das gilt auch für den Verkauf des Wrestling-Konzerns WWE an den saudi-arabischen Staatsfonds PFI. Mehrere US-Medien berichteten kürzlich, dass der Deal bereits abgeschlossen sei. Dies wurde inzwischen von Firmeninsidern dementiert. Allein: Das hätte niemanden überrascht.

Das börsennotierte, aber in Familienbesitz befindliche World Wrestling Entertainment (WWE) hat einen wilden Tag. Die Gruppe verdient ihr Geld mit akrobatischen Schaukämpfen, die wie aus einer Seifenoper erzählerisch verwoben sind. Sie sollen polarisieren, Gut gegen Böse. Bis zu 80.000 Fans sollen bei Live-Events jubeln oder prahlen – aber es ist alles kalkuliert. Der Jahresumsatz der Gruppe liegt bei etwa 1,2 Milliarden Dollar.

Die Dinge sind jetzt so melodramatisch wie die Ringfirma selbst. Anfang Januar wurde bekannt, dass Vince McMahon, mit rund 80 Prozent der Stimmen Großaktionär und Patriarch der Eigentümerfamilie, nach sechsmonatiger Pensionierung überraschend in den operativen Betrieb zurückkehrt.

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WWE: Vince McMahon wurde intern untersucht

Bald darauf trat seine Tochter Stephanie als CEO zurück. Auch andere Vorstands- und Verwaltungsratsmitglieder traten zurück – mal mehr, mal weniger freiwillig.

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Seit einigen Tagen ist Vince McMahon wieder Vorstandsvorsitzender. Die Mission des 77-Jährigen wird von Tag zu Tag komplexer. Laut Medien traute McMahon weder seiner Familie noch dem Vorstand zu, WWE bestmöglich zu verkaufen.

Bei der Sitzung am Freitag informierte Vorstandsmitglied Paul Levesque, McMahons Schwiegersohn, Berichten zufolge die Athleten, dass das erste, was beim Verkauf zu berücksichtigen sei, „ob“ und nicht „an wen“ sei. Seine getrennt lebende Frau Stephanie und er sind jedoch gegen den Verkauf. Auf Anfragen hat das Unternehmen noch nicht reagiert.

Der damalige CEO Vince McMahon trat erst im Juli 2022 im Rahmen einer internen Untersuchung von Vorwürfen wegen sexueller Belästigung, Machtmissbrauch und Schweigegeldzahlungen in den Ruhestand. Das Wall Street Journal berichtet, dass mehr als 12 Millionen US-Dollar an Unternehmensgeldern gezahlt wurden, um Fehlverhalten und außereheliche Affären zu vertuschen.

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Die Untersuchung endete im November und die Ergebnisse wurden noch nicht bekannt gegeben. Nach den Abgängen trat auch der zuständige WWE-Vorstand zurück. Inzwischen gibt es Berichte über zusätzliche Gebühren. Laut Finanzdienst Bloomberg klagen die Aktionäre gegen McMahons Vorgehen. Ihm werden Machtmissbrauch und Umgehung von Aufsichtsbehörden vorgeworfen.

All dies bewegt die Aktien des Unternehmens – und zwar nach oben. Papiere sind in diesem Jahr um rund 30 Prozent gewachsen, die Rate liegt auf dem höchsten Stand seit drei Jahren. Größte Anteilseigner sind die Finanzinvestoren Lindsell Train, Vanguard und Blackrock, die zwar einen Großteil des Kapitals besitzen, aber aufgrund einer Besonderheit des US-Gesellschaftsrechts weniger Stimmrechte haben.

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Disney, Netflix und Amazon gelten als potenzielle Käufer

Hinter den Aktien stecken Spekulationen über den Verkauf des Unternehmens. WWE bietet Interessierten zwei erfolgreiche Live-Shows der US-Medienkonzerne NBC Universal und Fox. Es gibt auch ein Archiv von mehreren Jahrzehnten an Sendematerial, das über Streaming-Dienste verbreitet wird.

Disney, Comcast – dessen Peacock-Dienst derzeit WWE-Shows streamt – sowie Netflix oder Amazon gelten als mögliche Bewerber. Und Saudi-Arabien. Die Frage ist, wer es wagt, den Wrestling-Zirkus in die Wüstenumgebung zu integrieren, ohne sein Image zu verlieren. Möglich, dass nun auch der Hauptkonkurrent, die Wrestling-Liga AEW, mitbietet.

Dabei geht es nicht nur um das Geschäft selbst, das der Konzern als „Sports Entertainment“ bezeichnet. Es basiert maßgeblich auf den Schauwerten koordinierter Kämpfe zwischen gut trainierten Männern und Frauen. Vor allem die Sexualisierung von Frauen, die vor einigen Jahren nicht verschwiegen wurde, hat merklich abgenommen.

McMahon bei Wrestlemania

Im Rahmen des größten WWE-Events lädt der Patriarch auch zu einer Präsentation von Geschäftszahlen, inklusive einer Motivationsrede für Geschäftspartner.

(Foto: IMAGO/USA TODAY Network)

Vince McMahon selbst ist ein Skandal, sein Stil gilt auch deshalb als autoritär, weil er das Wrestling-Business in seiner heutigen Form fast im Alleingang geprägt hat.

Dem Promoter, der das Unternehmen einst von seinem Vater übernahm und zu einem international erfolgreichen Konzern machte, kommt die Rolle vor der Kamera nicht zu hoch. Unter anderem ließ er sich von Donald Trump die Haare herunterlassen und von den Mitarbeitern im Ring seinen nackten Hintern küssen. Sportler wie Dwayne „The Rock“ Johnson, Hulk Hogan, Dave Bautista und John Cena verdanken ihm ihre Weltstar-Karrieren.

WWE ist immer noch die größte Marke im Geschäft, aber bei weitem nicht die einzige. Die Fernseheinschaltquoten waren in letzter Zeit in Ordnung, standen aber unter starker Konkurrenz von AEW. Berichten zufolge suchen die Eigentümer nun nach Partnern, um ein Angebot für einen Rivalen abzugeben. AEW gehört dem Unternehmer, Milliardär und NFL-Teambesitzer Shahid Khan und seinem Sohn Tony. Der Vater wurde bereits mit den Worten „wir haben tiefe Taschen“ zitiert. Wenigstens würden die Khane wissen, worauf sie sich einließen.

Ein Experte für Betriebswirtschaft sieht grundlegende Probleme

„McMahons Rolle ist vergleichbar mit der eines Unternehmenspatriarchen eines nicht börsennotierten Unternehmens, aber mit zusätzlichen Skandalen und Compliance-Problemen“, sagt Andreas Hecker, Corporate-Governance-Experte der Anwaltskanzlei Hoffmann Liebs.

Investoren sind mit dieser Struktur seit Jahren vertraut und haben sie in ihre WWE-Investitionsentscheidungen einbezogen, insbesondere im Hinblick auf laufende Dividenden oder potenzielle Verkaufserlöse. Mit anderen Worten, solange WWE erfolgreich ist, werden Investoren die Mängel im Management des Unternehmens übersehen.

„Aus Governance- und Compliance-Perspektive muss man sich kritisch mit der Struktur und aktuellen Entwicklung des Unternehmens auseinandersetzen“, sagt Hecker. Ein entscheidender Aspekt ist die fehlende Unabhängigkeit in der Betriebsführung und -überwachung und damit ein Vakuum in der Bearbeitung von Arbeitspflicht- und Auflagenverletzungen.

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Wer jedoch McMahons Reden vor Vertriebspartnern und Aktionären kennt, wird verstehen, wie der Geschäftsmann andere inspiriert. Die Gruppe richtet sich auf ihn an der Spitze. Der Geschäftsmann gilt als Vertrauter von Ex-Präsident Donald Trump, dem er regelmäßig die TV-Bühne anbot. Ehemann Linda, ein ziemlich erfolgloser lokaler republikanischer Politiker, wurde angeworben, um die Small and Medium Business Agency unter Trump zu leiten.

Laut Medienberichten sieht sich Vince McMahon nun als entscheidender Faktor bei Verkaufsplänen. Es brodelt seit Monaten, zuletzt mit der US-Bank JP Morgan, die damit beauftragt wurde, die Optionen zu prüfen.

„Somit lässt sich vorerst sagen, dass die Personalie dem Unternehmen bisher keinen wirtschaftlichen Schaden zugefügt hat“, sagt Hecker. Umgekehrt könne auch ein potenzieller Käufer ein Interesse daran haben, „den mit Abstand stärksten Aktionär auf seiner Seite zu haben – zumindest auf dem Weg zum und während des Deals“.

Auch Saudi-Arabien entdeckte „Sportunterwäsche“

Nach McMahons überfallartiger Rückkehr wäre derselbe schnelle Verkauf sehr gut für eine Seifenoper-Storyline geeignet gewesen. Saudi-Arabien ist nach wie vor im Käuferkreis, die Dementis der Insider beziehen sich offenbar nur auf den aktuellen Zeitpunkt. Dafür spricht, dass der staatliche Investmentfonds jüngst das aus Katar bekannte „Sportswear“-Modell nachgeahmt hat – und das Image durch großangelegte Events mit großem Publikum aufpoliert. Es wurde von Organisationen wie Human Rights Watch und Amnesty International kritisiert.

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McMahon selbst hatte ein eigenes großes Event für Saudi-Arabien entwickelt und vermarktet. Die bisher acht Ausgaben haben Berichten zufolge einen Umsatz von 400 Millionen US-Dollar eingebracht. Aber auch hier fehlte es nicht an persönlichem Drama. 2019 wurden im Land Dutzende Wrestler nach dem Auftritt eingesperrt, die Athleten sprachen von einer “Geiselnahme”. McMahon entkam der Situation dank seines Privatjets.

Auslöser des Streits soll der Streit des Patriarchen um die angebliche Versetzung von Saudi-Arabiens Kronprinz Mohammed bin Salman gewesen sein. Ob dies die aktuellen Verkaufsgespräche erleichtert, ist fraglich.

Mehr: Die Rückkehr des Wrestling-Bösewichts.

Datum der Erstveröffentlichung: 13.01.2023, 13:45 Uhr

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