Wie sich Asthma verhindern lässt

Ob ein Kind Asthma entwickelt, entscheidet sich oft während der Schwangerschaft oder in den ersten Lebensjahren. Luft und Ernährung spielen dabei eine wichtige Rolle.

von SUSANNE DONNER

Voller Vorfreude macht sich Chiara (Name geändert) auf den Weg zu einem Reitpferd am Stadtrand von Berlin. Die Achtjährige liebt das Reiten. Über seinem Bett hängt ein hölzerner Pferdekopf, auf die Laken sind fliegende Stuten gedruckt.

Doch diesmal endet die Reitstunde plötzlich: Chiaras Gesicht schwillt im Sattel an. Ihre Augen tränen, ihre Nase läuft. Besorgt ruft ein Mitarbeiter des Pferdehofs die Familie an. Chiara wird genommen – gerade noch rechtzeitig, sagt ein Allergologe später. Sie hatte einen Asthmaanfall. Der Arzt führt einen Allergietest durch: Auf Chiaras Haut bildet sich ein großer roter Fleck, der auf Bestandteile von Rosshaar getestet wird. Es reagiert auch auf die Haare von Hunden und Katzen. Der Arzt verschreibt ein Asthmaspray. Chiara muss aufhören zu reiten, warnt sie. Sonst könnte es böse enden.

Für Chiara ist das ein schwerer Einschnitt. Jeder Ausritt war für sie als Stadtkind etwas Besonderes, die Reitpferde besuchte sie nur sporadisch. Und so fiel ihr Asthma bis dahin auch nicht auf, wohl aber die Tatsache, dass Chiaras Gesicht bei einem Ausflug zum Hof ​​einmal angeschwollen war, ohne dass sich die Familie das erklären konnte.

Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts leiden etwa vier Prozent der Kinder und Jugendlichen unter 17 Jahren in Deutschland an Asthma. Die Atemwegserkrankung tritt selten isoliert auf, meist tritt sie als Folge einer anderen sogenannten atopischen Erkrankung auf. Bei Atopie überreagieren die körpereigenen Abwehrkräfte auf harmlose natürliche Reize. Das passiert zum Beispiel bei Neurodermitis, besser bekannt als Neurodermitis, die oft vier bis zwölf Monate nach der Geburt auftritt. Die Kinder werden von Hautrötungen, Schorf und nässenden Ekzemen im Gesicht, an Händen, Armen und Beinen geplagt, die stark jucken. Die Kinder kratzen sich notgedrungen, was die schmerzende Haut zusätzlich in Mitleidenschaft zieht. Heuschnupfen und Asthma folgen oft einer Neurodermitis.

Auch Lesen :  Von Klima-Hölle bis Klima-Kleber: 2022 an der Klimafront - Wissenschaft

Auch Nahrungsmittelallergien gehören zu den atopischen Erkrankungen, die sich oft früh im Leben und vor der Entwicklung von Asthma manifestieren. Bei betroffenen Kleinkindern springt beispielsweise das Immunsystem mit einer heftigen Reaktion auf Erdnüsse, Eier, Milch oder Weizen an. Anders als bei einer Nahrungsmittelunverträglichkeit ist eine Allergie gefährlich: Der Gaumen kann anschwellen, den Kindern geht die Luft aus und der Kreislauf kann zusammenbrechen. Kinder, die bereits eine Nahrungsmittelallergie haben, entwickeln später mit 35 Prozent höherer Wahrscheinlichkeit Asthma. Das ist das Ergebnis einer großen US-Umfrage unter 360.000 Kindern.

Vorbeugen ist die beste Medizin

Neurodermitis beim Neugeborenen und später Nahrungsmittelallergie oder Heuschnupfen beim Kleinkind sind mögliche Vorstufen von Asthma. „Das ist eine wichtige Erkenntnis für die Prävention von Atemwegserkrankungen“, betont Susanne Lau, Leiterin der Klinik für Allergologie und Pneumologie an der Berliner Charité. „Wir versuchen, die Entstehung und dann die Ausbreitung atopischer Erkrankungen auf verschiedene Organe zu verhindern.“

Auch Lesen :  C/2022 E3 (ZTF): So nah kommt der grüne Komet der Erde – und so sehen Sie ihn

Prävention gilt derzeit als die beste Medizin gegen Asthma – obwohl sie erblich bedingt ist: Wenn Mutter oder Vater Asthma haben, verdoppelt sich das Risiko der Kinder, daran zu erkranken. Chiaras Mutter litt seit ihrer Jugend an Asthma und Allergien gegen Tierhaare und verschiedene Pollen. Sie benutzt regelmäßig Kortisonspray und hat immer ein Notfallmedikament gegen Atemnot. Chiara erkrankte im Alter von vier Jahren an Neurodermitis. Die Ärzte behandelten sie mit Kortisonsalbe, um die schlimmsten Symptome zu lindern. Aber jetzt hat Chiara eine Allergie und Asthma durch Tierhaare. Chiaras Bruder hingegen ist gesund. Generell muss eine Veranlagung nicht zwangsläufig zu Asthma führen, da auch Umweltfaktoren und Lebensstil bestimmen, wie Gene abgelesen werden. Diese sogenannte Epigenetik kann entscheidend sein, ob die Atemwegserkrankung ausbricht oder nicht.

Rauchen als Risiko

Das entscheidende Zeitfenster liegt vor der Geburt. „Eindeutige Risikofaktoren sind Rauchen und Passivrauchen während der Schwangerschaft“, sagt Lau. Auch wenn der werdende Vater nur auf dem Balkon raucht, steigt das Risiko für das Baby im Mutterleib der Schwangeren. Die Feinstaubpartikel und insgesamt etwa 4000 Schadstoffe werden in Kleidung und Haaren eingeschlossen. Der Raucher schleppt unweigerlich die Schadstoffe aus den Buchen in die Wohnung. Und: 90 Sekunden nach dem letzten Zug ist immer noch Zigarettenrauch im Atem. Über die Plazenta gelangen Stoffe aus der Umgebungsluft zum Kind.

Doch die Wirkung des Rauchens ist nur die Spitze des Eisbergs: In der Luft befinden sich viele Schadstoffe, die das Immunsystem auf Abwege bringen. Neben Zigarettenrauch sind es vor allem Ozon und Stickstoffdioxid, die das bestehende Asthma verschlimmern und die Entwicklung von Atemwegserkrankungen wahrscheinlicher machen. Auch für Feinstaub wird ein solcher Effekt diskutiert. Außerdem könnte die schlechte Luft auch erklären, warum Asthma in Großstädten viel häufiger auftritt als auf dem Land oder in Kleinstädten. Je mehr Schadstoffe Kinder vor der Geburt und vor allem in den ersten zwei Lebensjahren, wenn ihre Lunge noch ausreift, einatmen, desto schlechter sei die Lungenfunktion im Alter von sechs Jahren, stellte der Arzt Urs Frey von der Abteilung für Klinische Forschung des Universitätsspitals fest . Basel in einer aktuellen Studie umfassende Studie. Besonders deutlich ist der Zusammenhang zwischen Stickstoffdioxid und Asthma. Da Stickoxide hauptsächlich aus dem Auspuff von Fahrzeugen stammen, ist ein Aufenthalt abseits der Hauptverkehrswege empfehlenswert. Ist dies nicht möglich, sollten Sie den Raum zumindest bei wenig Verkehr lüften.

Auch Lesen :  Sexuelle Orientierung und Wissenschaft: Forschung braucht mehr Diversität

Was eine werdende Mutter einatmet, hat entscheidenden Einfluss darauf, ob ihr Kind Asthma entwickelt. Befindet sich Schimmel in der Wohnung, steigt das Risiko, ebenso, wenn Lösungsmittel und andere Chemikalien aus Möbeln und Teppichen verdunsten. Lungenfachärztin Katja Nemat vom Kinderzentrum Dresden-Friedrichstadt rät, während der Schwangerschaft keine neuen Möbel zu kaufen. Denn bei Möbeln, die frisch aus der Fabrik kommen, sind die Ausdünstungen größer als bei alten Möbeln.

Source

Leave a Reply

Your email address will not be published.

In Verbindung stehende Artikel

Back to top button